{"id":2168,"date":"2021-09-04T10:15:37","date_gmt":"2021-09-04T08:15:37","guid":{"rendered":"http:\/\/clefni.unibe.ch\/?p=2168"},"modified":"2021-09-04T10:56:58","modified_gmt":"2021-09-04T08:56:58","slug":"hauptvortrag-1-prof-friedhelm-brusniak","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/clefni.unibe.ch\/index.php\/de\/2021\/09\/04\/hauptvortrag-1-prof-friedhelm-brusniak\/","title":{"rendered":"Hauptvortrag 1: Prof. Friedhelm Brusniak"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-media-text alignwide has-media-on-the-right is-stacked-on-mobile\" style=\"grid-template-columns:auto 23%\"><figure class=\"wp-block-media-text__media\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"531\" height=\"709\" src=\"https:\/\/clefni.unibe.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/Brusniak-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2169\" srcset=\"https:\/\/clefni.unibe.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/Brusniak-1.jpg 531w, https:\/\/clefni.unibe.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/Brusniak-1-225x300.jpg 225w\" sizes=\"auto, (max-width: 531px) 100vw, 531px\" \/><\/figure><div class=\"wp-block-media-text__content\">\n<p>Der erste Hauptvortrag der Tagung <a href=\"https:\/\/clefni.unibe.ch\/index.php\/de\/tagung-konzerte\/\">\u201cChorleben in der Schweiz, 19.-21. Jahrhundert\u201d<\/a> wird von <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.musikwissenschaft.uni-wuerzburg.de\/team\/brusniak-friedhelm-prof-dr-em\/\" target=\"_blank\">Prof. Dr. Friedhelm Brusniak<\/a>\u00a0(Julius-Maximilians-Universit\u00e4t W\u00fcrzburg,\u00a0Deutschland) gehalten.<\/p>\n\n\n\n<p>Unten k\u00f6nnen Sie die Zusammenfassung seines Vortrags lesen.<br><\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<div style=\"height:30px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Zum Wandel vom Liedertafelstil zur Chorpolyphonie im 19. und 20. Jahrhundert<\/h4>\n\n\n\n<p>Am 6. Juni 1903 hielt Kaiser Wilhelm II. im Anschluss an das zweite \u201eKaiserpreissingen\u201c um den von ihm gestifteten Wanderpreis f\u00fcr den&nbsp;<em>Wettstreit deutscher M\u00e4nnergesangvereine&nbsp;<\/em>eine denkw\u00fcrdige Rede \u00fcber \u201eDas deutsche Volkslied\u201c. Dabei kritisierte er eine seiner Meinung nach falsche Repertoireauswahl f\u00fcr Laiench\u00f6re und unangemessene Leistungsanforderungen an die S\u00e4nger bei virtuosen Chorwerken. Als Konsequenz k\u00fcndigte er eine Sammlung \u201es\u00e4mtlicher Volkslieder\u201c an, \u201edie in Deutschland, \u00d6sterreich und der Schweiz geschrieben, gesungen und bekannt\u201c w\u00e4ren. Unverz\u00fcglich wurden eine Arbeits- und eine beratende Kommission gebildet, wobei in die letztere auch der Z\u00fcrcher Friedrich Hegar (1841\u20131927) berufen wurde. Bereits 1906 wurden auf Veranlassung des Deutschen Kaisers die beiden volumin\u00f6sen, 611 Nummern umfassenden B\u00e4nde des&nbsp;<em>Volksliederbuch f\u00fcr M\u00e4nnerchor<\/em> herausgegeben, das unter der Bezeichnung \u201eKaiserliederbuch\u201c bekannt wurde. 1915 erschien dann das Pendant&nbsp;<em>Volksliederbuch f\u00fcr gemischten Chor<\/em> mit 604 Nummern, an dem als Vertreter der Schweiz erneut Friedrich Hegar mitgewirkt hatte. Das einzigartige Editionsprojekt fand seinen Abschluss erst 1930 mit dem mehrb\u00e4ndigen&nbsp;<em>Volksliederbuch f\u00fcr die Jugend<\/em>, wobei auch hier Experten aus Deutschland, \u00d6sterreich, Holland und der Schweiz hinzugezogen worden waren.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch weder die \u201eKaiserliederb\u00fccher\u201c-Anthologien noch die in die Zukunft weisende, nun von der Staatlichen Kommission herausgegebene Sammlung&nbsp;<em>Volksliederbuch f\u00fcr die Jugend&nbsp;<\/em>konnten verhindern, dass in den 1920er Jahren eine erbitterte Diskussion um einen zu Recht oder zu Unrecht negativ beschriebenen \u201eLiedertafelstil\u201c aus dem 19. Jahrhundert und eine neuartige, st\u00fcrmisch begr\u00fc\u00dfte und engagiert angenommene oder absch\u00e4tzig als \u201ePolyphonitis\u201c kritisierte Vokalpolyphonie entbrannte.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Die seit einiger Zeit intensivierte wissenschaftliche Untersuchung des Wandels vom immer offener kritisierten, in der Regel vierstimmig homophonen \u201evolkst\u00fcmlichen Chorlied\u201c im \u201eLiedertafelstil\u201c von Komponisten wie Franz Abt (1819\u20131885) und Ignaz Heim (1818\u20131880) zu Vokalwerken f\u00fcr \u201ePolyphonen M\u00e4nnerchor\u201c eines Erwin Lendvai (1882\u20131949), der vor seiner Emigration von 1935 bis 1938 in der Schweiz wirkte, hat bereits zu Neu- und Wiederentdeckungen zu Unrecht vergessener Chormusik aus einer aufregenden Umbruchzeit in der Chorkultur im fr\u00fchen 20. Jahrhundert gef\u00fchrt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der erste Hauptvortrag der Tagung \u201cChorleben in der Schweiz, 19.-21. 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Jahrhundert und eine neuartige, st\u00fcrmisch begr\u00fc\u00dfte und engagiert angenommene oder absch\u00e4tzig als \u201ePolyphonitis\u201c kritisierte Vokalpolyphonie entbrannte.&nbsp; Die seit einiger Zeit intensivierte wissenschaftliche Untersuchung des Wandels vom immer offener kritisierten, in der Regel vierstimmig homophonen \u201evolkst\u00fcmlichen Chorlied\u201c im \u201eLiedertafelstil\u201c von Komponisten wie Franz Abt (1819\u20131885) und Ignaz Heim (1818\u20131880) zu Vokalwerken f\u00fcr \u201ePolyphonen M\u00e4nnerchor\u201c eines Erwin Lendvai (1882\u20131949), der vor seiner Emigration von 1935 bis 1938 in der Schweiz wirkte, hat bereits zu Neu- und Wiederentdeckungen zu Unrecht vergessener Chormusik aus einer aufregenden Umbruchzeit in der Chorkultur im fr\u00fchen 20. 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